Eine sogenannte intelligente Fabrik nutzt miteinander vernetzte Systeme und Maschinen zur Generierung von Daten (meist in Echtzeit), um Produktionsprozesse zu verbessern.
In erster Linie geht es darum, Maschinenbedienern, Produktionsaufsehern, Ingenieuren und Führungskräften zu helfen, bessere Entscheidungen zu treffen, um die Reaktionsfähigkeit zu verbessern und die industrielle Leistungsfähigkeit zu steigern. Die Vernetzung von mit Sensoren und einer Internetverbindung ausgestatteten Maschinen geht aus dem Industrie- 4.0- Konzept hervor – das ist zwar nichts Neues, aber mit der Integration von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen zur Datenanalyse wurde in den letzten zwei bis drei Jahren ein entscheidender Fortschritt erzielt. Laut einer Arbeitsmarktstudie stieg zwischen 2024 und 2025 der Anteil der KMU, die dieses Tool eingeführt haben, von 22 % auf 34 %. Fast die Hälfte der Schweizer Unternehmen betrachtet KI heute als Vorteil für ihre Geschäftstätigkeit, was einem Anstieg von 10 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Anteil der Unternehmen, die KI gegenüber eher negativ eingestellt sind, ging hingegen um 7 % zurück. Dieser Wandel lässt sich durch die höhere Effizienz zahlreicher Unternehmensabteilungen erklären.
Die Angst vor negativen Auswirkungen auf den Beschäftigungsstand scheint ebenfalls an Bedeutung zu verlieren. Die nach der Einführung von KI erzielten Produktivitätssteigerungen haben nur 2 % der befragten Unternehmen zu einem Personalabbau veranlasst. Etwa 10 % der Unternehmen gaben vielmehr an, dass die Einführung von KI zur Schaffung neuer Arbeitsplätze geführt hat. Daraus lässt sich schließen, dass der technologische Wandel weniger Auswirkungen auf die Anzahl der Arbeitsplätze als auf die von den Arbeitgebern heute verlangten Kompetenzen hat. Man darf nicht aus den Augen verlieren, dass diese Entwicklung eine starke Veränderung der traditionellen Berufe nach sich ziehen wird und neue Berufsprofile entstehen werden: KI-Spezialisten für die industrielle Automatisierung, Datenanalysten für die vorbeugende Wartung, Koordinatoren zwischen Menschen und Produktionsmaschinen …
Starke Auswirkung auf die Berufsbildung
Das Aufkommen dieser neuen Technologien sowie die neuen wirtschaftlichen Anforderungen haben direkte Auswirkungen auf die Berufsbildung in der Schweiz. Aus diesem Grund hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) im Jahr 2025 die Vorgaben für 43 Berufe, die überarbeitet bzw. neu geschaffen wurden, verabschiedet bzw. festgelegt. Zweiundzwanzig Vorgaben betreffen die berufliche Grundbildung und einundzwanzig die höhere Berufsbildung. Die Tatsache, dass auch traditionelle Ausbildungsberufe wie Polymechaniker/in, Automatiker/in, Mechaniker/in oder Bediener/in automatisierter Maschinen von diesen Vorgaben betroffen sind, weist eindeutig darauf hin, dass sich diese Entwicklung auf alle Unternehmensebenen auswirkt. Die sogenannten klassischen Berufsbilder werden sich zwangsläufig stark verändern: Mechaniker werden zukünftig KI-gesteuerte Maschinen warten, Ingenieure müssen sich mit Algorithmen befassen, und Führungskräfte werden Entscheidungen auf der Grundlage großer Datenmengen treffen, die von miteinander vernetzten Produktionswerkzeugen bereitgestellt werden. Es gibt aber noch ein weiteres Problem: Da sich diese Technologien in rasantem Tempo weiterentwickeln, ist es sehr wahrscheinlich, dass heute Gelerntes bereits morgen nicht mehr dem aktuellen Standard entspricht. Dementsprechend werden Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und ständiges Lernen zunehmend zur Norm werden und von entscheidender Bedeutung sein.
Wie sieht es in der Praxis aus?
Die Personalvermittlungsagentur Robert Walters hat kürzlich eine Umfrage durchgeführt, um die in den nächsten zwei Jahren am meisten gefragten Kompetenzen zu ermitteln. Daraus geht hervor, dass technische Kompetenzen zwar weiterhin unerlässlich sind, aber der einschlägige Umgang mit Daten zunehmend mit der menschlichen Wechselwirkung verknüpft sein wird. Arbeitgeber werden also Fachkräfte bevorzugen, die nicht nur in der Lage sind, mit Daten korrekt umzugehen, sondern diese insbesondere in strategische Entscheidungen einzubinden und in zunehmend komplexen Organisationen klar zu kommunizieren.
Da KI heute nicht mehr als futuristisches Konzept, sondern als alltägliche Realität gilt, erwarten vier von zehn Führungskräften von ihren Mitarbeitern, dass sie sich mit den Bereichen KI und Maschinelles Lernen auseinandersetzen. Somit ist die KI-Kultur sozusagen zu einer Grundkompetenz geworden. Von den Mitarbeitern werden zwar nicht die Kenntnisse eines Data Scientists verlangt, aber es wird vorausgesetzt, dass sie verstehen, wie KI funktioniert, welche Möglichkeiten sie bietet und wo ihre Grenzen liegen. Eine strategische Nutzung der KI ist nur möglich, wenn die Mitarbeiter verstehen, wie Algorithmen funktionieren, auf welchen Annahmen deren Entscheidungen beruhen, und welche Risiken damit einhergehen.
Auf Mitarbeiterebene wird heute eine Kluft zwischen Wunsch und Realität offenbar. 80 % der Mitarbeiter geben zwar an, sich mit KI auszukennen und mental bereit für Veränderungen zu sein, stellen aber dennoch fest, dass eine strukturierte Nutzung dieses Tools schwieriger als erwartet ist. Der Mangel an Ausbildungsmöglichkeiten wird als Hauptursache dieses Problems betrachtet. In der Tat gibt die Hälfte der Mitarbeiter an, dass in ihrem Unternehmen nicht genug oder gar nichts in diesem Bereich unternommen wird.
Die Herausforderungen
Wie jeder andere Umbruch wirft die durch KI ausgelöste Weiterentwicklung bzw. Revolution viele Fragen auf und geht oft mit Unsicherheiten einher. Unternehmen, die diese Technologie zu einem Motor für nachhaltiges Wachstum machen möchten, müssen mehrere Strategien einsetzen, um die Befürchtungen so weit wie möglich auszuräumen. Zu den erforderlichen Maßnahmen gehören insbesondere ein Angebot an gezielten Schulungen, strukturelle Investitionen in Talente, die Einrichtung einer multidisziplinären Zusammenarbeit und insbesondere eine Unternehmensführung, die in der Lage ist, menschliche Intelligenz und Technologie optimal miteinander zu verbinden. Es geht darum, die Mitarbeiter dazu zu bringen, KI als Partnerin und nicht als Konkurrentin oder gar als Personalersatz wahrzunehmen. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn Unternehmen offenlegen, wie sie diese Entwicklung vorantreiben möchten, welche Endziele verfolgt werden und in welchem Tempo diese Umstellung bewerkstelligt werden soll.